1912 . . . Gründerzeit

Die Westkreuz-Druckerei und Verlag wurde am 1. März 1912 ins Leben gerufen und hatte ihren ersten Sitz in der Stülpnagelstraße in Berlin-Charlottenburg, am S-Bahnhof Westkreuz.

Wilhelm Ahrens, der Gründer der Firma Westkreuz-Druckerei und Verlag, wurde am 9. Mai 1878 in Oschersleben an der Bode geboren. Dort erlernte er bei der Bode-Zeitung den Beruf eines Schriftsetzers und ging nach bestandener Gesellenprüfung auf Wanderschaft. 1896 kam er in die Hauptstadt Berlin, die für ihn stets ein magischer Anziehungspunkt war. Beim Scherl-Verlag fand er eine Anstellung als Schriftsetzer und arbeitete am "Berliner Adressbuch". Im Jahr 1912 eröffnete Wilhelm Ahrens in einer kleinen Ladendruckerei sein eigenes Unternehmen.

1921 trat Wilhelm Ahrens als Mehrheitsgesellschafter in die Firma "Buchdruckerei Richter GmbH Berlin - Charlottenburg" ein und entwickelte diesen Betrieb zu einem Unternehmen, das 50 Mitarbeiter beschäftigte und mit seiner Ausstattung zu den modernsten grafischen Betrieben Berlins gehörte.

Berliner Stadtrat Wilhelm Ahrens

Text mit freundlicher Genehmigung der Berliner SPD

Ahrens war gelernter Schriftsetzer und gründete einen eigenen Betrieb, die bis heute bestehende Westkreuz-Druckerei. Er schloss sich in jungen Jahren der SPD an und widmete sich besonders der Sozialpolitik. In der SPD gehörte er zum Kreis um den späteren ersten preußischen Ministerpräsidenten in der Weimarer Republik, Paul Hirsch. In seiner Druckerei konnte er "besonders in der Zeit des Kapp-Putsches durch das Drucken von Flugblättern für die Partei zum Gelingen des Generalstreiks beitragen". Während des ersten Weltkriegs wurde Ahrens unbesoldeter Stadtrat in Charlottenburg. Nach der Schaffung der Einheitsgemeinde Groß-Berlin im Jahre 1920 wurde er dann unbesoldeter Stadtrat im Berliner Magistrat, zuständig für das Tarifwesen und die Feuerwehr. In dieser Funktion blieb er, bis er als letzter demokratischer Stadtrat das Rote Rathaus am 14.3.1933 zwangsweise verließ. Ahrens war ehrenamtlicher Vorsitzender des Verbandes der Ortskrankenkassen Deutschlands (und zuvor schon der Charlottenburger Ortskrankenkasse und des Verbandes der Berliner und der Krankenkassen der Mark Brandenburg). Dieses jahrzehntelange soziale Engagement war den Nazis ein Dorn im Auge.

Bereits am 3.3.1933 wurde seine Wohnung von SA "durchsucht", wobei "sich die jungen SA-Bengels betranken und am Ende eine Schießwaffe einschmuggelten, weswegen Ahrens drei Monate Gefängnis bekam". Es folgten verschiedene Verhaftungen und Gerichtsverfahren, u.a. wegen der "Beschuldigung, er hätte als Dezernent vielen Nazis gekündigt". Eine weitere Anklage erfolgte "wegen Untreue, Unterschlagung, Bilanzfälschung und -verschleierung". Doch "selbst das Gericht konnte nichts in Ahrens Geschäftsführung bei den Krankenkassen finden; es musste ihn freisprechen. Aber Verhaftungen folgten eine der anderen; die Polizei stellte ihn unter Aufsicht und was dergleichen Schikane mehr waren."

Als Stadtrat widmete er sich auch der Schaffung einer modernen Großstadtfeuerwehr. "Bei jedem größeren Brand war Ahrens zur Stelle. So auch beim Reichstagsbrand, wo er mit dem Oberbranddirektor Walter Gempp über die möglichen Ursachen der Katastrophe sprach. Kurz danach wurden Gempp und Ahrens verhaftet und peinigenden Verhören ausgesetzt." Nach 1945 widmete sich Ahrens wieder der Feuerwehr als "Vorstandsmitglied des Vereins ‚Erholungsheim der Berliner Feuerwehr'". "Ahrens war und blieb bis zu seinem Ableben ‚ihr' Stadtrat, dem sie ein motorisiertes Ehrengeleit stellten, als er an seinem 75. Geburtstage (...) von Senat und Abgeordnetenhaus zum Stadtältesten ernannt wurde". Am 6.11.1956 starb er an einem "schweren Herzleiden", sechs Tage darauf fand im Krematorium Wilmersdorf die Trauerfeier statt. Sein Ehrengrab befindet sich auf dem Städt. Friedhof Charlottenburg (Heerstraße), Trakehner Allee 1, Abt. II W 12-23.

Holger Hübner, 2.2.2003

(Quellen: Berliner Stimme, Sa, 9.5.1953; Berliner Stimme, Sa, 10.11.1956; Der Telegraf, Sa, 10.11.1956)

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